Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Das Fischerforum.at. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

Baumwerfer

1-sömmriger

  • »Baumwerfer« ist männlich
  • »Baumwerfer« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 662

Vorname: da Gerd

Wohnort: KEY-FLOCH (Köflach)

Beruf: Born to fish - but forced to work...

  • Nachricht senden

1

Samstag, 9. Juni 2018, 11:09

Fliegenfischen im Una Nationalpark – eine Geschichte über Tourismus und Purismus

Der nachfolgende Bericht enthält ein paar kurze Videosequenzen – mal eine kleine Abwechslung zu den ewigen statischen Bildern! Aber auch, weil ich meine Spiegelreflex geschrottet habe und deswegen keine Edel-Hochglan-Fotos liefern kann. Ich werde meine Fangberichte künftig also mit Go-Pro Videos aufpeppen. Kurz geschnitten und mit Original-Ton, damit ihr ggf. auch meine blöden Kommentare hören könnt.

Fliegenfischen im Una Nationalpark – eine Geschichte über Tourismus und Purismus



Ich geb’s zu: Ich bin ein Kind der 90er und meine Balkanerfahrungen beziehen sich auf die Kroatischen Touristenorte an der Adria und die Flüsse in Slowenien (dort dafür etwas mehr, worauf ich schon ein bissl stolz bin). Das Hinterland von Kroatien, Bosnien oder gar Montenegro kannte ich bis vor ein paar Jahren nur aus den grauslichen Geschichten, die man so hört, wenn man mit Flüchtlingskindern und Gastarbeitern aufwächst bzw. zusammenarbeitet. Man kann also sagen, dass es gewisse Ressentiments gab, als ich 2016 zum ersten Mal nach Bosnien fuhr… Typisch Österreicher halt… Umso mehr begeistert war ich dann, als ich dort einen Einblick in die traumhafte Natur, die netten Menschen und die tolle Fischerei bekam. Leider ist es sich die Jahre darauf nicht mehr wirklich ausgegangen, dass ich „runter“ fahr… Andere Missionen und Verpflichtungen hatten Vorrang.

Das Wochenende vom Frohnleichnam war es dann aber wieder soweit – mein erster „Vatertagsausflug“ stand an und es sollte – wie der Titel meines Berichts verrät – nach Bosnien gehen – genauer gesagt in den UNA Nationalpark.

Die Zimmer schon im Vorfeld reserviert machte mir der Wasserstand der Una ein bisschen Kopfzerbrechen. Man stelle sich vor: Ein Fluss von der Größe der Mur und dann Hochwasser – für mich mit meinen 1,69 m unfischbar! Darum war die Anfahrt am Donnerstag von einem etwas flauen Gefühl im Bauch begleitet… Auch, weil ich ein ein schlechtes Gewissen hatte, weil ich Frau und den Junior (mittlerweile 4 ½ Monate alt) allein daheim gelassen habe… Ich hätte den Trip deswegen sogar beinahe abgesagt – meine Frau musste mich quasi dazu überreden, weg zu fahren. Das hat’s früher auch nicht gegeben, dass man MICH zum Fischen zwingen muss… Zeiten ändern sich halt.

Trotzdem bin ich los. Um 3:00 Uhr in der Früh, nachdem ich dem Junior im Halbschlaf noch ein Flascherl eingeflößt hatte (sehr zum Dank meiner Frau) und mir selbst eine Dose Red-Bull mitsamt einer Koffein-Tablette (meine persönliche Empfehlung nach schlaflosen Nächten als Jungpapa) eingeschossen hatte startet ich meinen voll bepackten Toyota Minivan (mein Audi musste weichen, weil der Kinderwagen keinen Platz hatte) und cruiste gemütlich, dafür aber mit voll aufgedrehter Musik Richtung Süden: Spielfeld (Vignette nicht vergessen) – Maribor – kroaische Grenze – Zagreb – Karlovac (wo ich einen kurzen Stopp im Bürgerkriegs-Museum machte) – Novo Selo – Bosnische Grenze – Bihac – bis endlich Kulen Vakuf auftaucht. Eigentlich eine sehr stressfreie Reise – nichtmal die sonst eher gefürchteten Grenzer interessierten sich dieses Mal für mich.

Die letzten Kilometer von Kulen Vakuf nach Martin Brod verlaufen die Una entlang auf einer Schotterstraße. In Wikipedia wird diese als „gut befahrbar“ beschrieben – ich halte das für eine massive Übertreibung, v.a. weil die schweren Regenfälle der letzten Wochen an einigen Stellen den Hang auf die Straße abrutschen haben lassen und eine lokale Baufirma damit beschäftigt war, die Schäden notdürftig zu reparieren. Eine abenteuerliche Strecke! Ich fuhr die ganze Zeit hinter diversen Baumaschinen her und musste zwischendurch immer wieder für 5 Minuten anhalten. Die kurzen Pausen nutzte ich dann um meine Fliegenrute zu montieren und das Watzeug anzuziehen. Die gute Nachricht: Man erhaschte immer wieder einen Blick auf die Una, die vom Regen völlig unbeeinflusst niedrig und klar dahinfloss. Zudem knallten mir immer wieder massive (5 cm+) Steinfliegen an die Windschutzscheibe, was bei für eine positive Stimmung sorgte – weil – wenn Steinfliegen an der Straße sind, sind sie auch am Wasser!

Kurze Zeit später erreichte ich dann Martin Brod, ein kleines, verschlafenes Nest an der Kroatisch-Bosnischen Grenze (mit einer überaus interessanten Geschichte) am Zusammenfluss von Una und Unec. Im „Tourismusbüro“ erstand ich dann eine 3 Tages-Karte für Una und Unec – 120 Mark (60 Euro) für 3 km Unec und 8 km Una – sehr fair!

Nun war es dann endlich soweit – ab ans Wasser! Gleich vom Tourismusbüro aus startete ich meine ersten Würfe am Unec. Diese „Einstiegsstelle“ liegt unterhalb einer großen Fischzucht und dementsprechend ist die Fischerei dort vergleichbar mit einer Hühnerjagd im Hendlstall oder Fischen im Aquarium – die gierigen Satzforellen stürzten sich sofort auf jede Fliege, egal ob schlecht präsentiert, dreggend oder verkehrt im Wasser liegend – ich glaub dort könnte man sogar mit einem Schuhbandl Fische fangen... Nach 20 Minuten allein am Wasser gesellten sich auch noch zwei holländische Fischer zu mir und ich sah zu, dass ich das Weite suchte: Wenn man so fischt, ist es irgendwie als ob man sich selbst in die Wathose brunzt – das ist vielleicht für 10 Minuten warm und angenehm, aber nach kurzer Zeit wird es kalt und einfach nur ekelig. – Also – Fersengeld und flussabwärts marschiert.

Ein Stück oberhalb des Zusammenflusses zwischen Unec und Una startete ich einen weiteren Versuch. Hier war die Situation viel Besser: Die Fische bei weitem nicht so „Stocky“ und man musste sich schon ein bisschen anstrengen, um Erfolg zu erzielen. Es waren auch einige (wie ich meine) naturgewachsene Exemplare dabei und die Verbindung einer 4er Glasfaserrute mit einer fetten Trockenfliege (mein neuer Liebling – Bugmeister Parachute Gr. 10) erwies sich als wahrer Goldgriff. Je weiter Flussabwärts ich fischte, desto besser wurde die Fischerei. Besser jetzt nicht im Sinne von „mehr Fisch“ sondern die Qualität der Fische nahm zu und die abwechslungsreiche Struktur des Flusses, gepaart mit einem massiven Insektenschlupf (Maifliegen, Steinfliegen, Caddis – alles war vertreten) sorgte für eine herrliche Fischerei. So arbeitet ich mich zuerst flussabwärts, danach flussaufwärts retour zum Auto und zum Pool unterhalb der Fischzucht, wo noch immer die Holländer standen und die Satzforellen mit Glo-Bugs (furchtbar) rausprügelten. Ich schüttelte nur den Kopf und verzog mich dann zum ortsansässigen Wirtn, wo ich mich mit Cevapcici und Nektar-Bier (komplettes Menü für umgerechnet 5 oder 6 Euro) verpflegte. Als ich dann retour zum Auto kam (die Holländer machten inzwischen auch eine Pause am Picknickplatz) brach ein kurzes, aber heftiges Sommergewitter über Martin Brod herein und veranlasste mich dazu, nach Kulen Vakuf zurück zu kehren und meine Unterkunft zu beziehen. Hier wieder eine positive Überraschung: Ich durfte ein fast neues (2016 errichtetes) Appartment (Name: Galijasevic) mitten im Ort, direkt am Wasser beziehen und das für mehr als faire 120 Mark (60 Euro) inkl. Frühstück. Die Wirtin, ich nenne sie einfach mal Oma Galijasevic und ich hatten (trotz Sprachbarrieren) einen guten Draht zueinander – vermutlich weil sie mich an meine eigene Großmutter erinnerte. Da das Wetter noch immer nicht 100%ig perfekt war, verzog ich mich also erstmal eine Stunde aufs Zimmer und holte etwas Schlaf auf. Gegen 18:00 Uhr war ich dann wieder einigermaßen fit und fuhr die Schotterpiste retour Richtung Martin Brod auf der Suche nach einem schönen Platz für den Abendsprung. Einige Kilometer außerhalb von Kulen Vakuf wurde ich dann fündig: Die Una floss hier, aufgeteilt durch eine kleine Insel, gemächlich, aber doch mit starker Strömung dahin und kurz vor Einbruch der Dunkelheit setzte ein Köcherfliegen Schlupf ein, wie man ihn als Mitteleuropäer nur aus Geschichten besoffener Fliegenfischer kennt. Die Fische drehten daraufhin komplett durch! Überall platschte und spritzten kleinere bis mittlere Forellen durchs Wasser und gelegentlich sah man auch größere Exemplare, ganz klassisch mit „Head&Tail“ nach den frisch schlüpfenden Caddis steigen. Ich fing, ohne Übertreibung, Fisch auf Fisch. Wieder ein Haufen gesunder Regenbogner und auch die ein oder andere kleine Bachforelle konnte verhaftet werden. Die Alterspyramide schien komplett intakt zu sein. Ein paar massive Fische verlor ich aufgrund des Schonhakens und der extremen Strömung. Eine richtig dicke Äsche verabschiedete sich nach einem spektakulären Sprung in die Hauptströmung. Leider war es schon zu dunkel um das Schauspiel auf Foto und Video festzuhalten… Was ich jedoch bemerkte: Trotz dem Massenschlupf musste man schon „genau“ fischen – also die passende Fliege verwenden und ordentlich präsentieren. Also nix für die Glo-Bug Holländer! Ich fischte, bis ich die Fliege nicht mehr sehen konnte und spazierte dann müde, aber glücklich retour zum Auto. Dummerweise schaffte ich es (wiedermal) am Rückweg meinen Zimmerschlüssel anzubauen, sodass ich noch spät nachts Oma Galijasevic aus dem Bett klingeln musste, damit sie mir den Reserveschlüssel aushändigte… Zum Glück nahm sie es mit Humor und sperrte mir mit einem entspannten „Nema Problema“ das Zimmer auf. Ich versprach ihr „hoch und heilig“ besser aufzupassen und verkroch mich mit schlechtem Gewissen auf meinem Zimmer.

Typische Regenbogen aus dem Unec:



Seitenarm des Unec - auch hier voll mit Fisch:

πάντα ῥεῖ